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Jahreshauptversammlungen

Einmal jährlich findet in den Unternehmen, die Aktiengesellschaften sind, eine Jahreshauptversammlung (JHV) aller AktionärInnen statt. Diese Versammlung der AktionärInnen beschließt die Verwendung des festgestellten Finanzgewinnes, stellt den Jahresabschluß fest und wählt den Aufsichtsrat. Während der Jahreshauptversammlung stehen die Unternehmen sehr stark im öffentlichen Licht, ein günstiger Zeitpunkt also für öffentlichkeitswirksame Aktionen. Außerdem können ernsthafte Störungen der Versammlung dazu führen, daß sie wiederholt werden muß, was natürlich ärgerlich und kostspielig für das Unternehmen ist.

Um in so eine JHV hinein zu kommen, müßt Ihr also AktionärInnen werden. Zunächst geht es darum, Aktien zu erwerben. Das geht über Banken oder BörsenmaklerInnen. Dabei werden oft Gebühren erhoben, und zwar pro Aktientransfer. Daher ist es am besten, mehrere Aktien auf einmal zu kaufen und sie dann hinterher an alle InteressentInnen zu verteilen. Formulare für den Transfer sind beim Notar erhältlich (bitte erkundigt Euch, wie es genau abläuft). Da das Ganze Zeit braucht, solltest Ihr die Aktien rechtzeitig, d.h. mehrere Monate vor der JHV, kaufen. Wenn Ihr genug Geld zur Verfügung habt, dann könnt Ihr für potentielle AktionärInnen in der Protestbewegung werben. Außerdem gibt es Gruppen von AktionärInnen, die ihre Aktien AktivistInnen zur Verfügung stellen.

Ihr werdet dann im Voraus durch das Unternehmen über Ort und Zeit der Jahreshauptversammlung benachrichtigt. Schaut Euch möglichst den “Veranstaltungsraum” vorher genau an, das wird Euch später beim Planen der Aktionen helfen. Diskutiert, was Ihr erreichen wollt - eine sympathisch gesinnte Presse, das Unternehmen bloßstellen oder vollständiges Chaos? Ihr könnt z.B. damit beginnen, Fragen zu stellen und dann, wenn diese unbeantwortet bleiben, die JHV stören. Durch so eine Taktik können mehrere Ziele gleichzeitig erreicht werden.

Ihr solltet unbedingt den Jahresabschlussbericht lesen und Fragen vorbereiten. Laßt Euch nicht davon ablenken, die Abstimmung zu gewinnen. Diese wird sowieso meistens dadurch entschieden, wie viele Aktien die einzelnen Personen haben und das Führungsgremium wird die Mehrzahl der Aktien besitzen. Ihr könnt eine Scheinvertretung kleiner AktionärInnen bilden und provokative Pressemitteilungen verfassen, was die einschlägige Finanzpresse schön aufwühlen wird.

Es ist sehr wichtig, alle AktivistInnen-AktionärInnen gut zu vernetzen, da dies dazu beiträgt, daß viele von ihnen kommen. Sorgt für Transport und Unterkunft, solche Versammlungen sind meist in großen Städten. Außerdem diskutiert, ob Ihr eine Demo mit Transparenten und Flugblättern vor dem Gebäude machen wollt, an der AktivistInnen teilnehmen können, die nicht AktionärInnen sind. Veröffentlicht eine Pressemitteilung, in der Ihr Fotomöglichkeiten vor dem Gebäude ankündigt. Bereitet Flugblätter vor, die Ihr auf die Sitze der AktionärInnen legen könnt. Die Chancen sind gut, daß sie es lesen, vor allem, wenn sie den offiziellen Dokumenten des Unternehmens ähnlich sind. Es wäre gut, am Abend vor der JHV ein Treffen oder eine Diskussion zu haben, um die Pläne noch mal durchzusprechen und zu verfeinern.


Am Tag selbst zieht Euch feine Klamotten an und vergeßt Eure Aktien nicht. Seid darauf vorbereitet, daß scharfe Sicherheitsbestimmungen herrschen könnten - abtasten, durchsuchen von Taschen, etc. Es kann schwierig werden, Kameras, Stinkbomben, Trillerpfeifen, Handschellen u.ä. hinein zu schmuggeln, besonders wenn sie aus Metall bestehen. Kleine Gegenstände können in Eurer Unterwäsche oder Schuhen versteckt werden, Transparente unter der Kleidung um den Körper gewickelt werden.

JHV können sehr einschüchternd wirken. Die Leitung sitzt meistens vorne auf einem erhöhtem Podium, während die ersten Reihen mit Angestellten des Unternehmens und Wachpersonal besetzt sind. Wachpersonal wird sich bestimmt auch im hinteren Teil des Raumes befinden. Tragbare Mikrophone werden von den Wachleuten herum getragen, womit die kleineren AktionärInnen ihre Fragen stellen können. Diese können abgeschaltet werden, wenn Ihr anfangt, unbequem zu werden. Versucht solange am Mikrophon zu bleiben, bis Eure Fragen beantwortet wurden. Die Versammlung wird mit einer Einleitung durch den/die VorsitzendeN beginnen, danach geht es dann richtig los. Das ist der Zeitpunkt, um mit Fragen oder Störungen anzufangen. Eine oft benutzte Taktik des Vorstandes hierfür ist, vernünftig zu erscheinen und Umwelt- und Menschenrechtsfragen an das Ende der Tagesordnung zu stellen. Laßt Euch davon nicht verarschen, beharrt darauf, daß diese Themen nach vorne geholt werden. Hört nicht auf damit, Forderungen zu stellen und akzeptiert “nein” nicht als Antwort. Störungen können vielfältige Formen annehmen - Trillerpfeifen, Klatschen, Sprechchöre, Papier herumwerfen, herumrennen, die Wände hoch klettern, die Bühne stürmen. Idealerweise sollte das Ziel sein, die Versammlung zu beenden.

“Normale” AktionärInnen werden sehr bald die Nase von Euren Aktionen voll haben. Obwohl einige von ihnen vielleicht Euren Forderungen zuhören, sind die meisten nur an ihrer Dividende interessiert. Ihr müßt mindestens auf Ungeduld vorbereitet sein, aber auch auf Drohungen. Ihr könnt dem entgegen wirken, in dem Ihr Themen ansprecht, die auch sie interessieren (Geld) oder sie infiltrieren, indem ein paar überzeugend normal aussehende AktivistInnen als normale AktionärInnen posieren und vorschlagen, den “Grünen” oder „Linken“ zuzuhören. Die Leibwächter und das Wachpersonal werden aller Wahrscheinlichkeit nach bei Störungen eingreifen und Euch rausschmeißen. Helft einander, wenn das passiert und vergrößert das Chaos. Seid vorsichtig, daß Ihr nicht aggressiv werdet oder Sachbeschädigung verursacht, da Ihr dafür verhaftet werden könnt und Eure Aktion dann das Image des Unternehmen nicht so stark angreift.


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