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Training ist unentbehrlich für direkte Aktionen. Es ist
sehr wichtig, neuen Leuten die Möglichkeit zu geben, die Situation
einzuschätzen und daraufhin zu entscheiden, wie weit sie mitmachen und
welche Rolle / Aufgabe sie übernehmen wollen.
Solch eine Vorbereitung kann ganz kurz sein, z.B. eine Diskussion über
die Ziele und die Art und Weise, wie diese Ziele erreicht werden sollen. Es
kann aber auch sehr intensiv und tiefgründig sein und einen ganzen Tag
/ Wochenende / Woche dauern (z.B. ein Wochenende, an dem Ihr Eure Taktik,
Gewaltfreiheit, Gruppendynamik usw. erörtert). Dafür gibt es
erfahrene TrainerInnen, die ebenfalls Training für Leute anbieten, die
selbst ihre eigenen Erfahrungen weitergeben wollen (guck mal in die
Graswurzelrevolution für Adressen von solchen Gruppen). Ihr könnt
Euch aber auch dafür entscheiden, die Themen selbst in Angriff zu
nehmen und sie in Eurer Gruppe mit allen zusammen diskutieren.
Wenn die Leute in der Kampagne ständig wechseln bzw. die Anzahl der
Menschen zu groß ist, ist es schwieriger, aber nicht unmöglich,
Aktionstraining durchzuführen. Vielleicht könnt Ihr an jedem Tag
/ Woche eine feste Zeit und Ort für das Training organisieren. Viele
Kampagnen haben kurze (1 Std. lange) Zusammenkünfte, in denen es
hauptsächlich um Logistik, Taktiken und Strategie geht anstatt
darüber nachzudenken, wie Gruppen bei den Aktionen zusammen arbeiten.
Dies ist eine angemessene Vorbereitung für “effektive”
Aktionen. Aber plant auch Zeit dafür ein, daß sich die Leute in
der Gruppe kennenlernen können und findet heraus, was die einzelnen
Leute machen wollen.
Viele Leute, die das erste Mal bei einer direkten Aktion dabei sind,
fühlen sich unsicher und haben Angst vor dem, was auf sie zukommt (und
das muß unbedingt angesprochen werden). Das Vertrauen und
Selbstbewußtsein kann unheimlich wachsen, wenn Gespräche in der
Gruppe über solche Themen wie Gewaltfreiheit, Verhaftungen,
Ängste, Hoffnungen, Sachbeschädigung, Unterstützung,
Entscheidunsprozesse (z.B. Konsensus) stattfinden. All diese Themen sind
genauso wichtig wie Diskussionen über Strategie und Taktik.
Tiefgründige Gespräche und Diskussionen helfen uns, unsere
unterschiedlichen und gemeinsamen Motivationen zu verstehen, was wir
machen, warum und mit wem. Dies kann uns nur stärker werden lassen.
Aktionstraining/Vorbereitung findet am besten da statt, wo eine friedliche
Atmosphäre herrscht - weit weg vom Chaos der Kampagne (am besten in
einer ganz anderen Stadt). Noch schöner ist es, raus in die
“Natur” zu fahren (wenn das Wetter schön ist). Der Raum,
den Ihr benutzt, sollte entspannend sein, im Winter geheizt, im Sommer
draußen. Außerdem sollte die Gegend frei von neugierigen Augen
und Ohren sein. Die teilnehmenden Leute sollten sich dazu verpflichten, die
ganze Zeit über da zu sein und Störungen sollten vermieden
werden. Es sollte auch eineN FacilitatorIn (“Erleichterer/in” -
ModeratorIn) geben. ModeratorInnen versuchen, die Zusammenkunft so angenehm
und effektiv wie möglich zu gestalten. So können sie z.B. einen
Zeitplan für die Zusammenkunft ausarbeiten, der dann von der ganzen
Gruppe angenommen oder geändert wird.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten für die Gestaltung der
Trainingworkshops und verschiedene “Werkzeuge” können
genutzt werden. Diese sind z.B.:
Eisbrechen: Das hilft der Gruppe sich kennenzulernen, so daß
alle Leute sich wohl genug fühlen, um alle Themen frei zu diskutieren.
Z.B. könnten sich alle kurz vorstellen und beschreiben, warum sie in
der Kampagne aktiv geworden sind.
Zuhörübungen: Hierbei hören sich zwei Leute
wechselseitig an, was das Gegenüber für Motivationen,
Ängste, Hoffnungen hat, und zwar ohne zu unterbrechen. Manchmal
können dann auch die Leute in der ganzen Gruppe hinterher berichten,
was sie gehört haben.
Brainstorming: Hierbei schreibt jemand auf ein großes Blatt
Papier alle Ideen auf, die ihr/ihm von den anderen Leuten zugerufen werden.
Es wird dabei nicht über die Ideen diskutiert, egal ob sie gut oder
schlecht sind, da dies den Ideenfluß unterbrechen würde.
Hinterher können die Ideen für anschließende Diskussionen
oder zukünftige Aktionen sortiert werden.
Go-rounds - Eine Runde rum gehen: Es wird einmal die ganze Runde
herum gegangen, so daß allen die Möglichkeit gegeben wird, ihre
Meinung zum Thema zu sagen /ein Ereignis auszuwerten, ohne dabei
unterbrochen zu werden (Zeitlimit!) Wenn Leute nicht reden wollen, dann
können sie auch schweigen.
Mind maps / Spidergrams (Denkkarten / Spinnengramme): Dies ist eine
graphische Methode, um Ideen, die miteinander verbunden sind, auf Papier
darzustellen. Fangt mit einer Grundidee/ Problem/ zu planender Aktion an
und zeichnet dann von dort aus Verzweigungen.
Vertrauensfördernde Spiele: Diese finden am besten am Anfang
eines Workshops statt, um Vertrauen in der Gruppe herzustellen. Beispiel:
eine Person wird mit verbundenen Augen durch den Raum/ Garten geführt.
Spiele: Bei solchen Aktionsvorbereitungen kann es schnell zu einer
angespannten Atmosphäre kommen. Da können eingeschobene Spiele
helfen. Diese sollten freiwillig sein und niemand sollte dazu
überredet werden mitzumachen. Am besten ist es, wenn diese Spiele
nichts mit Wettkampf zu tun haben: Frisbee ist gut!
Pausen: Pausen können Spannungen aufbrechen. Wenn sie alle
45min stattfinden, helfen sie der Konzentration und RaucherInnen.
Rollenspiel: Das Spielen von Situationen und das Hineinversetzen in
beide Seiten einer Protestaktion vermittelt interessante und wichtige
Erfahrungen. Es ermöglicht Einsichten in die Denkweise anderer (sowohl
die der Polizei als auch anderer AktionsteilnehmerInnen) und hilft somit
auch dabei, neue Taktiken zu entwickeln.
Entscheidungsprozeß: Es ist wichtig, sich innerhalb der Gruppe
darauf zu einigen, wie Entscheidungen getroffen werden sollen. Bei
gewaltfreier direkter Aktion hat sich Konsens bewährt. Hierbei werden
alle in der Gruppe in den Prozeß miteinbezogen und es wird eine
Entscheidung erarbeitet, zu der alle stehen können. In extremen
Situationen gibt es ein Vetorecht, daß aber nur in
äußersten Notfällen gebraucht werden sollte. Voraussetzung
für Konsensus ist, daß alle Leute ein gemeinsames Ziel haben, so
daß sie bereit sind, sich selbst und ihre persönlichen
Entscheidungen zurücknehmen, um eine gemeinsame Entscheidung der
Gruppe erreichen zu können. Eine andere Grundvoraussetzung ist Respekt
gegenüber anderen. Obwohl dies sehr langwierig im Vergleich zu
Mehrheitsentscheidungen erscheint, hat es wesentliche Vorteile für die
Gruppe. Z.B. wissen 20 Leute mehr als 10 und die Entscheidung wird daher
ausgewogener. Außerdem stehen alle hinter der Entscheidung und werden
sich dafür einsetzen. Abgesehen davon ist es natürlich auch eine
Philosophie, ein Schritt hin zu einer gleichberechtigten Gesellschaft.
Schnelle Entscheidungen treffen: Um den Entscheidungsprozeß
der Gruppe unter Zeitdruck zu trainieren, hilft es der Gruppe Probleme
vorzulegen, über die innerhalb von 2 Min. eine Entscheidung getroffen
werden muß.
Goldfischglas: Das ist eine Methode für Konsensusentscheidungen
bei sehr großen Gruppen. VertreterInnen von jeder kleineren
Bezugsgruppe sprechen für ihre Gruppe in einem SprecherInnenrat, dem
alle anderen zuhören, der aber nicht unterbrochen wird. Die
SprecherInnen können jederzeit zu ihren Gruppen zurückgehen, um
die Lage zu diskutieren und abzusichern, daß sie immer noch den
Konsensus ihrer Gruppe haben.
Frage- und Antwortspiel: Diese können genutzt werden, um
konkrete Aktionen zu erläutern, z.B. Techniken fürs Zaunklettern,
Maschinen und Fahrzeuge stoppen, was tun bei Verhaftung...
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