|
Ihr könnt immensen Druck auf Vertragsfirmen ausüben,
indem Ihr sie nicht nur auf dem Bauplatz behindert, sondern auch alle
anderen Möglichkeiten mit einbezieht. Besonders anfällig für
so was sind SubunternehmerInnen und BelieferInnen, da der/die
HauptunternehmerIn sehr stark auf solche kleineren Unternehmen angewiesen
ist.
Bei Aktionen solltet Ihr Euch auf existierende VertragsunternehmerInnen und
noch wichtiger, Firmen, die sich um den Auftrag bewerben, konzentrieren.
Macht eine Liste von allen Büros und Bauplätzen solcher Firmen
und verbreitet diese Informationen so weit wie möglich. Ruft zu
Solidaritätsaktionen auf, wie z.B. Bürobesetzungen und Blockaden.
Wenn alles gut läuft, dann gibt es Aktionen im ganzen Land, besonders
wenn Eure Gruppe ein Beispiel mit Aktionen in Eurer Gegend gibt. Macht die
Kampagne gegen die am Straßenbau beteiligten Unternehmen so bekannt
wie möglich, in der Presse, aber auch in Baumagazinen. Wenn Ihr
Kontakte im Ausland habt, dann organisiert Aktionen gegen ein Büro der
Firma im Ausland. Das hat enorme Wirkung auf das Management.
Die Kampagne gegen den Newbury Bypass 1995 hat eine ausgezeichnete
Liste aller Büros und Baustellen der am Bau der Straße
beteiligten Firmen erstellt. Der Effekt war eine Reihe von Aktionen, die
dazu geführt haben, daß mehrere Unternehmen aus ihren
Verträgen ausgestiegen sind. Wenn am Bau beteiligte Unternehmen
gleichzeitig auch Konsumprodukte vermarkten, dann kann zu einem Boykott
dieser Produkte aufgerufen werden. Solche Boykotts kosten viel Energie,
können aber eine Menge Aufmerksamkeit für die Kampagne bringen
und fügen der Firma Verluste zu. Ihr könnt auch die ManagerInnen
etc. von Bauunternehmen zu Hause besuchen (Adressen von Firmenbüchern
etc.) besorgen. Ein Picknick auf ihrem Rasen macht Spaß und ist
Presse-freundlich. Das gleiche kann auch mit PolitikerInnen usw. geschehen.
Bürobesetzungen
Diejenigen, die die Entscheidungen treffen, sitzen in ihren
gemütlichen Büros weit weg von der Zerstörung, die sie
anrichten. Die Besetzung solcher Büros ist eine sehr wirksame Form
gewaltfreier direkter Aktion, besonders für eine relativ kleine Gruppe
AktivistInnen. Bevor Ihr so was macht, müßt Ihr Euch
entscheiden, was das Ziel der Aktion ist - Presseshow, Informationsjagd,
größtmögliche Unterbrechung der Arbeit im Büro? Alle
sollten darin übereinstimmen, was drinnen passieren soll und wie lange
es dauert.
Wichtig ist, Informationen darüber zu beschaffen, wie Ihr ins
Gebäude reinkommt. Offene Erdgeschoßfenster, Notausgänge,
Seiteneingänge. Achtet darauf, daß alle den Grundriß des
Gebäudes kennen. Der beste Weg rein ist oft der Haupteingang. Die, die
nicht reingehen wollen, können draußen Flugblätter
verteilen, Transparente halten etc.
Macht Euch einen einfachen Plan wie Ihr reinkommt. Die
Eingänge haben oft Sicherheitsschlösser, Sprechanlagen oder
Kartenschlösser. Eine feingekleidete Person kann reingehen und all den
anderen die Tür öffnen. Ein kleines Stückchen Holz in der
Tür lassen, damit sie nicht richtig schließt und wieder
aufgedrückt werden kann. Ausreden: Kurierlieferung, im Voraus
vereinbarter Termin mit jemandem in der Firma von dem Ihr den Namen kennt,
Einstellungsgespräch, Bau- oder Elektroarbeiten. Oder Ihr könnt
Euch hinter Angestellten mitreinschleichen oder die Tür auffangen,
wenn jemand rausgeht. Paßt auf, daß Ihr nicht schon vorher
bemerkt werdet.
Wenn Ihr erst mal drin seid, dann fängt der Spaß an!
Ihr könnt entweder alle die Büros der Leute suchen, die am
Straßenbau arbeiten oder im ganzen Gebäude Chaos stiften. Es
bringt am meisten gerade bei den Abteilungen, die direkt was mit den
Bauarbeiten zu tun haben, oder z.B. in der Management Etage. Aber bleibt
mindestens zu zweit, da die Angestellten recht aggressiv werden
können. Bleibt ruhig, denn die meisten Angestellten treffen keine
Entscheidungen. Sucht nach den Bossen. Versichert verängstigten
Angestellten, daß Ihr keine Gewalt anwendet und gebt ihnen
Flugblätter, die erklären, warum Ihr da seid: erstaunlich oft
werden Flugis von den Angestellten auch gelesen. Ihr könnt Forderungen
stellen, z.B. mit dem/der ChefIn zu sprechen. Nehmt Kontaktnummern für
die Presse mit, für live Interviews vom besetzten Büro aus.
Transparente vom Dach hängen.
Wenn Ihr möglichst viel stören wollt (ohne
Sachbeschädigung zu begehen), dann bringt Papiere durcheinander,
schließt Türen ab und versteckt die Schlüssel, zieht alle
Stecker raus, macht laute Musik, verbarrikadiert Euch in leeren Büros,
spielt mit den Computern, ruft Freunde in Australien an, fotokopiert Euren
Hintern und faxt es zum Verkehrsministerium, kettet Euch an die
Heizkörper. Wenn Ihr alles ordentlich und scheinbar unverändert
hinterlaßt, dann merken sie es noch nicht mal gleich.
Augenscheinliche Sachbeschädigung kann zu Verhaftungen führen,
besonders wenn Ihr nur wenige seid. Wenn Ihr randaliert, dann kann das ein
schlechtes Image in der Öffentlichkeit geben.
Wenn Ihr möglichst viele Informationen finden wollt, dann
geht schnell rein und schnell wieder raus. Durchsucht alle Papiere und
Schränke und fotografiert oder fotokopiert alles, was interessant
erscheint. Oder faxt Dokumente zu Eurem Büro (dann müßt Ihr
dafür sorgen, daß deren Fax frei ist). Es kann sein, daß
Ihr einige Ordner ausleihen wollt, werft diese aus dem Fenster, wo sie von
anderen aufgefangen und sehr schnell weggebracht werden. Haut schnell ab,
wartet nicht darauf, verhaftet zu werden. Ihr könnt die Ordner
entweder nachts auf die Treppen des Gebäudes legen oder sie zum
Fundbüro in einer anderen Stadt bringen (anonym). Es ist sehr wichtig,
alles zurückzubringen, für den Fall, daß jemand wegen
Diebstahl verhaftet wird. Obwohl eine Notiz, die im Büro bzw. bei
eineR AnwaltIn zurückgelassen wurde, keine Rechtskraft besitzt,
könnte die Anklage fallen gelassen werden, wenn alles
unbeschädigt zurückgebracht wurde.
Bitte denkt daran, daß dies nur eine allgemeine Beschreibung
ist. Solche Aktionen müssen sorgfältig geplant werden. Alle
sollten zusammen das Gebäude verlassen und niemand sollte allein
zurückgelassen werden. Oft durchsucht die Polizei alle, wenn sie das
Gebäude verlassen, besonders, wenn irgendwas entfernt oder
beschädigt wurde.
BürokratInnen ärgern
Um die Straße zu bauen, brauchen die Unternehmen ihre
Büros genauso sehr wie Bulldozer. Sie haben Angestellte, die wichtige
Dokumente, Pläne, Verträge schreiben, und die müssen
aufgehalten werden. Identifiziert die Schlüsselpersonen und macht
gezielte Aktionen. Macht das gleiche mit Unternehmen, wenn sie sich gerade
für den Bauauftrag bewerben und alle, von denen Ihr annehmt, daß
sie wichtige Arbeiten für den Bau der Straße machen.
Das Ziel ist, sie so viel wie möglich daran zu hindern, ihre
Arbeit auszuführen. Verstopft ihre Email, Fax, Telefon (besonders wenn
es umsonst ist, 0130-Nummer), Postkasten. Das macht extra Arbeit für
sie, bringt ihre Bürokratie durcheinander und gibt ihnen das
Gefühl, daß sie persönlich verantwortlich sind.
Beispiele: Setzt Anzeigen für Schnäppchen in freie
Werbezeitungen, mit ihrer Telefonnummer daneben. Produziert billige
Flugblätter, die ein wahnsinniges Schnäppchen ankündigen mit
der gleichen Telefonnummer und legt sie überall aus. Macht alles, was
ihre Telefonleitungen zusammenbrechen läßt. Bestellt ihnen
Waren, für deren Rücksendung sie Zeit aufbringen müssen,
z.B. Mitgliedschaft in Bücherclubs, Porzellanfiguren aus der
Werbung...
Das ist viel wirksamer als sie einfach mit Werbematerial zu
überschwemmen. Besonders lustig wird’s, wenn Ihr ihnen Sachen
von anderen unbeliebten Unternehmen bestellt. Z.B. ruft an und ordert extra
Baumaschinen von einer Firma, deren Baumaschinen an der Straße
arbeiten. Gebt ihre Kontaktnummern im Internet, unter FreundInnen und
nationalen Netzwerken bekannt. Ermutigt Leute, ihre Phantasie zu nutzen.
Ihr könnt zu einer großen Telefon-, Fax- und Email-Blockade an
einem bestimmten Tag aufrufen. Macht möglichst viele Blockaden zu
einem für das Unternehmen wichtigen Zeitpunkt, z.B. in der Zeit wenn
ein Auftragsgebot für ein Großprojekt vorbereitet
wird.
Außerdem könnt Ihr die wichtigen Angestellten daran
hindern zur Arbeit zu kommen. Denkt daran, daß das Ziel ist, Chaos zu
stiften, aber nicht, Leute zu beängstigen oder zu bedrohen.
|